Der politische Mensch
aus: Auf den Spruch geklopft

RhinoVerlag
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95560-011-2
Mit Cartoons von Nel




Deutsche Politiker sind auch privat so.

Politiker denken: Wer einmal lügt, dem glaubt man,  nicht?

Die Deutschen sind ein aufmüpfiges Volk.
Sie wollen möglichst aller 14 Tage eine neue Regierung haben,
und zwar die ganz und gar gegenteilige von der, die sie zwei Wochen zuvor
unbedingt haben wollten.

Die flammendsten Reden
halten Politiker daheim, wenn sie
ihren Frauen erzählen,
was sie angeblich gesagt haben.

Man hätte den Sozialismus erst einmal mit den Ameisen ausprobieren müssen; die
verfügen über ein geordnetes Staatswesen. Aber
vermutlich wäre das die sicherste Methode,
Ameisen auszurotten.

Anderswo ist es nur anders anders, aber anders
ist es nirgendwo.

Deutsche Metamorphose:
Wir sind das Volk!
Wir sind ein Volk!
Wir sind das Volk!

... als wenn Denunzianten Denunzianten
Denunzianten nennen.

Das Leben ist kein Lotteriespiel.
Dafür gewinnen zu viele Nieten.

Könnte man Arschkriecher an ihrer Hautfarbe erkennen –
man müsste Deutschland für einen
zentralafrikanischen Staat halten.

Demokratie ist, wenn ich auf dem Markt stehend
rufen darf: „Der Kanzler lügt!“
Und mir und dem Kanzler passiert nichts.

Ein Verein ist die Gründung weniger pfiffiger Leute,
die vom Geld weniger pfiffiger Leute leben möchten.

Kriege beginnen mit der Behauptung ihrer Anstifter,
es ginge ihnen um den Frieden.

Das Dilemma der Intellektuellen:
Der Klügere gibt nach.

Niemand war im gelobten Land, aber alle
wollen hin. Gesetzt dem Fall, man könnte es erreichen,
würden alle anderswo danach suchen.

Das Verführerische an den neuen Ideen
sind weniger die Ideen als ihre scheinbare Neuartigkeit.

Das Volk übt den Aufstand.
Grandiose Generalprobe. Das Stück fällt durch.

Die Mittelmäßigen können durchaus
von einer großen Idee fasziniert sein;
schlimm wird es nur, wenn sie dieselbe verwirklichen wollen.

Schwarze wissen: Weiße stinken.

Der Reiche umgeht das Nadelöhr: V.I.P.

Lakaien machen Despoten, nicht umgekehrt.

Ein Globus von Deutschland – das wär’s!

Der politische Claqueur bejubelt seine Unmündigkeit.

Den Sozialismus in seinem Lauf
hielten die Ochsen und Esel auf.

Die Gedanken sind frei
konvertibel, haben einige Leute begriffen.

Weitsichtige brauchen eine Brille fürs Nahe.

Die Moral mancher Andersdenkender:
Wer anders denkt, ist unmoralisch.

Gestürzte Diktatoren weinen am lautesten.

Geht Eigensinn vor Gemeinsinn,
kommt Unsinn heraus.

Ich erkenne keine Parteien mehr.

Es hält der Denunziant das Maul
so offen wie die Hand.

Dieses Volk wird nicht rot. Das wäre zu ertragen.
Es wird aber auch nicht schamrot.

Woyzeck, wird er ein Hauptmann,
möchte einen Woyzeck haben, um Major werden zu können.

Pyrogermanen.

Leider lernen Linke langsam.

Es gibt auch eine höhere Ungerechtigkeit.

Für manche bedeutet Unterordnung Ordnung.
Sie kommen in einer Demokratie nicht zurecht.

Gescheite Politiker sind nicht sonderlich beliebt
bei den lieben Deutschen.

Ich glaube... begann der Politiker – und
hatte schon gelogen.

Kulturpolitik ist die Bedürfnisanstalt des Staates.

In einer Diktatur klingt auch das Lied der Vögel verhaltener.

Licht am Ende des Tunnels. WO? Hinter uns.

Hinter den größten Parolen
verstecken sich die kleinsten Gedanken.

Ich treffe häufig Leute, welche auf Stühlen sitzen,
die noch warm sind von den Ärschen,
in die sie einst heftig zu kriechen pflegten.

Ideologie ist der untaugliche Versuch,
gute Ideen in einen goldenen Käfig zu sperren.

Wenn der Narr König wird,
müssen die Weisen das Land verlassen.

Mob ist das Gewölle der Politiker.

Märtyrer haben nichts davon, Märtyrer zu sein.
Erst ihre Enkel bekommen eine Rente.

In Deutschland ist der politische Gegner
vor allem ein unmoralischer Mensch.

Krieg ist ein politischer Präventiefschlag.

Memoiren sind der wortreiche Versuch,
Wahrheit zu vertuschen.

Geldscheindemokratie.

Mit Halbbildung lässt sich kein Staat bilden.
Es wird aber immer wieder versucht.

Ordensverleihung: Verteile und herrsche.

Mitunter erweisen sich die alten Fehler als die besten Ideen.
Man hat nur keine Kraft mehr, sie zu verwirklichen.

Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.
Aber die Zeitung von vorgestern
ist sehr interessant.

Napoleon, General der Revolution, hätte,
zehn Zentimeter größer, vielleicht gar nicht
Kaiser aller Franzosen werden wollen.

Nachdem die Zeitung unabhängig geworden war,
stand sie gut zahlenden Inserenten offen.

Narrenfreiheit ist die schlimmste Form von Freiheit.
Man darf alles sagen – und erntet Gelächter.

Nunmehr steht die Büchse der Pandora
als Sonderangebot in allen politischen
Warenhäusern der Parteien, das Verfalldatum
mit grellen Farben überstrichen.

Politiker sind Machtschwärmer.

Optimisten verbessern die Welt
nicht. Sie halten sie bereits für gut.

Revolution oder Reputation – ist das eine Frage?

Von einem Exkrement ins andere.

Politiker, die nur die Macht ihres Amtes verstehen,
werden von der Geschichte scheinheilig gesprochen.

Staatsgrenzen sind die Gartenzäune der Herrschenden.

Revolutionen siegen in Deutschland immer
als Restauration.

Revolutionen verändern Gesellschaftsordnungen,
aber selten einen Menschen.

Erschlagzeile: Bombenwetter!

Seine Fahne in die Windstille hängen können
wäre dem Opportunisten das angenehmste.

Richter sprechen nicht wahr, sondern Recht.

Sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens
zurücksehnen, aber vergessen,
dass andere daraus gelöffelt haben.

Volksvertreter sollen dem Volk dienen.
Was tun sie? Sie be-dienen sich beim Volk.

Nach dem Ruf
DEUTSCHLAND ERWACHE!
wird es meistens sehr finster in Deutschland.

Was ich weiß, macht mich heiß.

Was ist der Stolz, einer bestimmten Rasse,
Religion oder Nation anzugehören anderes als
die törichte Genugtuung, der besten anzugehören?

Wenn man Recht für Vorrecht erklärt,
wird aus Unrecht Recht.

Wer ein Amt sucht, sucht eine Pfründe.

Wahrheit lässt sich schwer beweisen,
Lüge hat ein Dutzend Zeugen.

Was Geschichte ist, war einmal Zukunft.
Man wusste es nur nicht.

Was man links liegen lässt,
findet man, rückkehrend, rechts wieder.

Wen vertritt eine Volksvertretung,
wenn sie ihren Standpunkt vertritt?

Wendemanöver:
Links abtauchen, rechts auftauchen.

Wer einen langen Arm hat,
hat auch lange Finger.

Wenn die Sieger die Sprache der Besiegten annehmen –
wer hat dann eigentlich die Schlacht gewonnen?

Macht der Staat, was er will,
tut der Bürger nicht mehr, was er soll.

Wer Ja-Sager um sich versammelt, ist ein Ver-Sager.

Wer von der Jugend verlangt, sie solle
das Werk der Alten fortsetzen, misstraut der eigenen Leistung.

Wenn der Herr bittet, wetzt der Knecht das Messer.

Nach den Roten kamen die mit dem Rotstift.

Wer immer einen festen Standpunkt
gehabt hat, hat sich nicht entwickelt.

Deutschland, Deutschland, übe alles.

Hält sich einer einen Narren,
hält er alle für Narren.

Wohin mit dem Hass nach dem Krieg?

Zufälle sind die Abfälle der Geschichte,
von denen kommende Zeiten leben.

Man kann Demokratie auch übertreiben,
indem man sie beim Wort nimmt.

Wer seine Stimme einem Politiker gibt,
muss sich nicht wundern,
wenn er dann nichts mehr zu sagen hat.

Wie sollte man Vergangenheit bewältigen,
wenn man gar keine hat?

Wenn der Dümmste gewählt wird,
muss es noch sehr viel Dümmere geben,
die ihn gewählt haben.

Das ist ein rechter Linker,
der nie den rechten Weg verlässt.

Demokratie? – Dämonkratie.

Gar selten kann man mit seinem Land
auch noch Staat machen.

Wenn die Hefe meint, sie sei der Kuchen,
hat sie Talent zum Politiker.

„Man wird sich doch wahl versprechen dürfen“,
sagte der Politiker.

Man kann sich entweder politisch verhalten
oder einer Partei angehören,
aber beides gleichzeitig geht schlecht.

Politiker leben von der öffentlichen Hand
in den geöffneten Mund.

Demokratie ohne eine Prise Diktatur
verkommt zu Anarchie.

Rechtsradikale erstellen ein Horrorskop.

Wieviel Schatten in diesem Sonnenstaat!
Viel glücklicher als einen Orden zu erhalten
macht offenbar: Orden vergeben zu dürfen.

Politprofis machen’s für Geld wie die Nutten.
Allerdings zu ihrem Vergnügen.

„Gebt mir ein Amt, denn ich bin nicht bestechlich!“
Aus welchem Märchen ist das? Ach, aus:
„Gebt mir ein Amt, denn ich bin nicht bestechlich.“

Ach, der Ruf nach Freiheit
geht gar zu schnell unter,
wenn die mit den vielen Freiheiten kommen.

Der Mächtige sagt:
„Ich sehe weit und breit keine Arschkriecher!“
Wie sollte er auch? Hat er hinten Augen?

Im Sonnenstaat freut man sich am Ende, wenn
wenigstens der Mond etwas Licht spendet.

Die Menschheit lernt nicht aus ihrer Geschichte.
Sie hätte sie längst eine andere.

Banker sind Scheinheilige.

Natürlich weiß der Politiker, was er sagt,
aber sagt er immer, was er weiß?

Es erstaunt immer wieder,
was für eine gute Nase Arschkriecher haben.

Kreuzworträtsel: Gemeinwesen = Staat.

Hat einer eine politische Vision
und geht in die Politik, so hatte er eine Vision.

Die Regierenden sind es weniger –,
die Regierten stimmen mich bedenklich.

Wenn die Alten keine Vergangenheit haben (wollen),
wie soll dann Zukunft für die Jungen werden?

Politik verdirbt den Charakter nur,
wenn man keinen hat.

Unternehmer zahlen für ihre Fehler,
Politiker werden für ihre Fehler bezahlt.

Die Bank hilft nur scheinbar.

Wahlen machen müde Mandatsträger munter.

Politik ist kein schmutziges Geschäft.
Politik ist kein sauberes Geschäft.
Politik ist ein Geschäft.

Gegen die Diktatur des Geldes
gibt es ein probates Mittel: Man muss nur genug Geld haben.

Jedes Volk hat das Fernsehen, das es verdient.

Sehr geehrter Herr Dante,
wenn Sie die Hölle verlassen, lassen Sie bitte alle Hoffnung fahren.

Trotz seines hohen Amtes ist er Mensch geblieben.
Soll das ein Lob sein?

Rechts-Staat und Links-Staat
haben eine gemeinsame fließende Grenze.

Ein Krieg ist erst dann zu Ende, wenn er
für den Ältesten des Volkes Geschichte ist.

Man wählt nicht unbedingt die falschen Leute.
Sie werden es in der Regel erst bei Verzehr von Macht.

„Die Menschen stehen hinter mir!“, sagt der Politiker.
Weil: Er hat sie hinter sich gelassen.

Des Poltikers Lieblingsgebäck: Allgemeinplätzchen.

Wer das Fremde hasst, liebt das Eigene nicht.

Parteidisziplin:
Wenn man die Leute erst disziplinieren muss,
sind sie für eine Idee verloren.

Soldaten lieben den Krieg nicht.
Söldner möchten von ihm leben.
Der Redenschreiber
sitzt auf der Zunge des Redners,
dessen Kopf hohl ist, um vom Echo zu profitieren.

Es gibt Politiker, die sind schein-bar zu haben.

Verantwortung haben ist nicht das Problem,
aber mit ihr umgehen zu können,
ohne sie zu umgehen.

Zwischen den Oberen und den Unteren
lebt das große Volk der Mittelmäßigen.

Lobbyisten sind Leute,
die sich selten in der Lobby aufhalten, sondern in Hinterstuben.

Stell dir vor, es ist Wahl, und alle gehen hin.

Politische Feinde sind oft beim Bier
Mitglieder einer Gemeinde.

Wieso ist man gut behütet,
wenn andere den Hut aufhaben?
Der Demagoge sät Sturm mit dem Maul,
und was hinten herauskommt, riecht übel und faul.

Der Arme vererbt alles, was er besitzt:
Seine ganze Armut.

Man kann die Welt nicht besser machen als sie ist.
Es sei denn, es gelänge,
bessere Menschen zu machen.

Und was geschieht in der Demokratie, wenn
der Einzelne Recht hat?

Vorsicht in der Nähe kritisierter Politiker:
Manche treten zurück.

Bankräuber.
Man kann das Wort auch anders verstehen.

Es spielt keine Rolle, ob Justitia auf dem rechten
oder dem linken Auge blind ist.
Sie trägt eine Binde über beiden.
Er hat mit dem hohen Posten das große Los gezogen.
Es war aber das Verantwortungslos.

In Deutschland muss man immer
etwas zu mäkeln haben, sonst gilt man als Ausländer.

Die Verbindung zwischen Wirtschaft und Politik
funktioniert wie ein gut geschmiertes Gelenk
Dort sitzen die gut geschmierten Lobbyisten.

Ideologen fressen Ideale zum Frühstück.

Wer eine kluge Rede schreibt,
ist klug, wenn er verborgen bleibt;
denn der sie hält, erträgt es nicht,
wenn man ihm sagt, dass er nur spricht.

Die Mächtigen wissen gar nicht,
dass Türen Klinken haben, denn
sie öffnen sich scheinbar von selbst, wenn sie sich ihnen nähern.

Politiker müssen nicht die besseren Menschen sein,
es genügt, wenn sie menschlich sind.
Wenn man einem Politiker heftig auf die Füße tritt,
kann es geschehen, dass er zurücktritt.