Ulrich Völkel

Schriftsteller, Lektor, Herausgeber



Zum Tod von Egon Richter

Am 14. Juni 2016 ist der im Dezember 1932 in Bansin geborene Schriftsteller und Journalist Egon Richter nach langer, mit großer Geduld ertragener Krankheit verstorben. Er gehörte zu den bekanntesten und vielgelesenen Autoren der einstigen DDR. Er hat auch nach der sogenannten Wende mehrere Reportagen, Erzählungen und Essays über „seine“ Insel Usedom geschrieben. Eine umfangreiche Würdigung des Heinrich-Heine-Preisträgers steht noch aus.

Ich will von meinem Freund erzählen, mit dem und mit dessen Familie ich über 40 Jahre eng verbunden war und bin.

Was mochte ich an ihm besonders? Seine Geschichten, ja, aber vor allem war es seine Herzlichkeit und seine Aufrichtigkeit. Auf Egon konnte man sich, besonders in schwierigen Situationen, immer verlassen. Er war hilfsbereit, ein kluger Ratgeber, ein streitbarer Zeitgenosse und ein fröhlicher Spötter. Dank seines besonderen Talents, in Reportagen aus aller Welt Weltanschauung im Sinn des Wortes zu vermitteln, hat er seinen zahlreichen Lesern fundiertes Wissen geschenkt. Auch ich darf mich glücklich schätzen, viel durch ihn und mit ihm erfahren zu haben.

Belehren war nicht sein Fach. Er war ein Erzähler, ja, ein Poet, dessen Geschichten haften bleiben, bildhaft und eindringlich. Mit ihm und durch ihn konnte man sehen und begreifen lernen. Seinen Rat habe ich oft gesucht. Er war selten ratlos in einer Zeit, in der ein gewisses Geschick dazugehörte, nicht unter die Räder zu kommen. Taktisch klug, aber nie taktierend hat er seine Überzeugung von einer gerechten Welt verteidigt. Nicht immer ging er als Sieger aus den Auseinandersetzungen hervor, aber nie als Unterlegener. Vielleicht war es seiner Herkunft, der familiären wie der landschaftlichen, geschuldet, dass auf ihn das Bild vom Fels in der Brandung zutrifft. Übrigens hat er mehr für andere als für sich selbst gestritten, denn eitel war er nicht.

Fast 84 Jahre ist ein gutes Alter. Ich hätte ihm gewünscht, die letzten Jahre bei besserer Gesundheit zu erleben. Das war ihm nicht vergönnt. Sein Lachen wird mir fehlen. „Du Schneehase!“, hat er gern gesagt, wenn ihm einer suspekt war. 40 Jahre Freundschaft enden nicht mit dem Tod. Ich gehe zum Bücherregal und nehme mir mein Lieblingsbuch heraus: „Im Lande der weißen Kamele“. Ich blättere. Da ist er mir wieder ganz nah. Das wird bleiben. Fehlen wird er mir sehr.




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